Bei KI entscheidet das Drumherum: ein Gedächtnis, die richtigen Werkzeuge, ein fester Ablauf. Das Modell ist der kleinere Teil.
Im Januar habe ich ein Video von NetworkChuck gesehen, und kurz danach saß ich zum ersten Mal in einer KI-Umgebung namens PAI. Seitdem hat sich die Art, wie ich arbeite, komplett geändert.
Alle schauen auf die neuesten Modelle. GPT oder Claude, welche Version, welcher Benchmark, lohnt sich der Umstieg. Ich glaube, das ist die falsche Ebene. Klar sind die Modelle nicht unwichtig. Aber den größeren Unterschied macht das Drumherum.
Ein nacktes KI-Modell beantwortet deine Frage. Einmal. Dann ist es fertig, und beim nächsten Mal fängt es wieder bei null an, ohne zu wissen, was ihr letzte Woche zusammen gemacht habt. Das Drumherum gibt ihm, was allein fehlt: eine feste Grundanweisung (den Systemprompt), ein Gedächtnis, echte Werkzeuge zum Handeln (Skills und MCPs) und Leitplanken zwischen den Schritten, die es nicht umgehen kann (Hooks). Die Fachleute nennen das ein Agent Harness. Ich sage einfach: die Umgebung.
Das Modell allein bringt dich nicht ans Ziel
Ein KI-Modell allein ist ein Fahrradrahmen mit zwei Rädern. Erst Kurbel, Kette, Kiste, Gurte und Gepäckträger machen daraus das, was morgens die Kinder zur Kita bringt.
Das Modell liefert die Rohkraft. Was daraus etwas macht, das sich erinnert, Werkzeuge benutzt und eine Aufgabe wirklich zu Ende bringt, ist das Drumherum.
Seit ich in so einer Umgebung arbeite, muss ich nicht mehr jedes Mal von vorn anfangen. Mein Assistent weiß, wo ich in meinen Projekten stehe, er hat ein ordentliches Gedächtnis, und er merkt selbst, wie viel Aufwand eine Aufgabe braucht.
Du benutzt längst so eine Umgebung
Und keine Sorge, das ist nichts, wofür du programmieren können musst. Fang bei dem an, was du kennst: Selbst die ChatGPT-App auf deinem Handy ist schon so eine Umgebung, nur eine dünne. Sie merkt sich inzwischen ein paar Dinge über dich und kann im Netz suchen.
Es gibt dickere, fertig von der Stange. Claude Code zum Beispiel merkt sich deinen Projektkontext, und von da aus schneidest du es dir Stück für Stück auf dich zu. Meins heißt PAI, das habe ich mir übers Jahr zu meinem eigenen gemacht. Was da alles drinsteckt, steht auf meiner Tool-Seite.
Die Umgebung, die mitlernt, gewinnt
Und die beste Umgebung lernt mit. Es gibt eine namens Hermes von Nous Research, die sich nach jeder Aufgabe selbst eine neue Fähigkeit schreibt und behält. Genau das ist meine für mich: Sie sammelt, was ich ihr beibringe, legt sich Notizen an und kennt mich nächste Woche besser als heute.
Das ist der Teil, den dir kein besseres Modell abnehmen kann. Dein Maßstab, dein Kontext, deine Projekte, dein Geschmack. Das hast nur du. Ein neues Modell kommt alle paar Monate. Deine Umgebung baust du einmal, und sie wird mit jeder Sitzung mehr deine.
Daniel Miessler, der Kopf hinter PAI, bringt es auf den Punkt: Der Abstand zwischen den Modellen ist klein, sobald das Drumherum sitzt. Das Modell wird austauschbar, die Umgebung wird der Vorteil.
Also such dir kein besseres Modell. Bau dir eine bessere Umgebung.
Wenn du KI in deinem Betrieb einsetzen willst, ist das die eine Frage, die zählt: Lernt die Umgebung mit?
Worauf das hinausläuft
Das Modell wird immer austauschbarer. Klar macht es einen Unterschied, ob ich ein Spitzenmodell wie Fable 5 nutze oder ein kostenloses wie Google Gemma 4. Aber bei den guten wird der Abstand kleiner, und die kostenlosen holen auf. Was bleibt, ist die Umgebung. Die, die dich kennt, die mit dir lernt, und die irgendwann so selbstverständlich wird, dass du sie gar nicht mehr siehst.
Daran baue ich gerade für mich. Seit Anfang des Jahres lernt mein Assistent Klaas jeden Tag ein Stück mehr, wie ich funktioniere, was mir wichtig ist und was für mich gut heißt. Und ich muss mich Woche für Woche weniger daran anpassen, wie er funktioniert. Ich glaube, in einem Jahr haben wir das alle. Ohne Nerd-Kram im Terminal und ohne die großen Sicherheitslücken.
Ich arbeite gerade ein Video dazu aus. Eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du selbst loslegst, mit einem Quickstart für deinen eigenen Agenten.
Bis dahin: weniger aufs Modell schauen, mehr aufs Drumherum.